Der Kunstmaler Hans Schuster (1900-1966)


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Biografie des Oldenburger Malers Hans Schuster:



Johann Schuster, genannt Hans Schuster, wurde am 22. November 1900 als Sohn des

Kirchenmalers Christof Schuster und dessen Ehefrau Sofia in Ansbach/ Mittelfranken, geboren. Schon früh zeichnete sich ab, dass sein Vater ihm sein künstlerisches Talent vererbt hatte. Hans Schuster besuchte zunächst die heimische Volkshauptschule. Nach der Schulzeit besuchte er die Berufsfortbildungsschule und erlernte zunächst das Monteurhandwerk. In seiner Freizeit beschäftigte sich Hans Schuster intensiv mit der Malerei.


In Ansbach lernte er seine zukünftige Frau Minna Kiefer (1899 1945) kennen. Als der 1. Weltkrieg ausbrach, meldete sich der junge Hans Schuster als Freiwilliger zum Kriegseinsatz. Er wurde an verschiedenen Kriegsfronten eingesetzt, unter anderem im Baltikum und in Oberschlesien. Hin und wieder kehrte er während dieser Zeit in seine Heimatstadt zurück. Im April 1919 wurde sein Sohn Herbert geboren, mit Minna Kiefer wurde er 1921 getraut. Im Februar 1922 erblickte seine Tochter Erika das Licht der Welt. Hans Schuster kehrte im selben Jahr nach Ansbach zurück und blieb dort zunächst.


In den 20-iger Jahren reiste er nach Breslau und studierte eine Zeitlang an der dortigen Kunstakademie. Während seines Aufenthaltes in der Stadt lernte er einige Bühnenbildner des Breslauer Theaters kennen und nutzte diese Bekanntschaft, um mit ihnen gemeinsame Projekte zu verwirklichen. Sein künstlerisches Talent und die damit verbundenen Fähigkeiten waren in diesen Kreisen gerne gesehen.


Umgekehrt konnte Schuster auf diese Weise weitere Erfahrungen sammeln. Nach seiner erneuten Rückkehr nach Ansbach zeichnete er für die regionale Fränkische Zeitung Karikaturen zu tagespolitischen Themen und widmete sich weiter der freien Malerei.


Als 1939 der 2. Weltkrieg ausbrach, wurde Hans Schuster zum Kriegseinsatz einberufen und musste deshalb abermals seine Familie verlassen. Von 1939 bis 1945 diente er bei der Kriegsmarine unter anderem als Kriegsberichterstatter auf einem U-Boot. Fast zwangsläufig verschlug es ihn dabei nach Nordwestdeutschland, genauer gesagt nach Wilhelmshaven und Varel. Bei Fronteinsätzen wurde er mehrfach schwer verwundet. Eine solche Verwundung war der Durchschuss seines rechten Armes. Durch diese Verletzung büßte Hans Schuster die Beweglichkeit des Armes ein, sodass er zunächst nicht weitermalen konnte. In den folgenden Monaten trainierte er seine linke Hand hartnäckig und schulte so zum Linkshänder um. Jetzt erst konnte er die Hand wieder für die Malerei gebrauchen.


Gegen Kriegsende, am 17.3.1945 hielt sich Schuster im Bereich um Oldenburg herum auf. An diesem Tage erreichte ihn die telegrafische Nachricht, dass bei einem Fliegerangriff seine Frau Minna, die Kinder Herbert und Erika sowie sein Schwiegervater in Ansbach ums Leben gekommen waren. Bei dem Bombentreffer auf sein Wohnhaus verbrannten auch seine sämtlichen im Hause gelagerten Arbeiten. Schuster reiste zwar nach Ansbach, kehrte kurz darauf jedoch wieder nach Nordwestdeutschland zurück.


In Varel lernte er die Postangestellte Erna Georg kennen, die er 1946 heiratete und mit der er anschließend nach Oldenburg in die Kastanienallee 1 zog. Die Ehe blieb kinderlos und wurde um 1950 herum geschieden.


Einige Zeit später lernte er die Krankenschwester Elisabeth Paulus (1916 1989) auf einem Treffen des Bayernvereins, dem sie beide angehörten kennen und heiratete sie 1951. Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor. Von der Kastanienalle 1 aus zogen Schusters in die Bümmersteder Straße 145, die später in Sandkruger Straße umbenannt wurde.


Hans Schuster widmete sich in den nachfolgenden Jahren weiterhin der Malerei. Bereits früh schloss er sich dem Oldenburger „Bund Bildender Künstler“ an und war auf zahlreichen Ausstellungen des BBK vertreten.1953 schloss er sich im BBK der „Freie Gruppe&blquo; unter Emil Brose an und bildete mit Ewald Westholm und Karl Nagel eine Arbeitsgemeinschaft.


Mitglieder in der „Freie Gruppe“ waren unter anderem Hermann Holst, Otto Blanck, Gerd Thelen, Emil Wolff, Alfred Bruns und Ingeborg Schwonke - Harding, um nur einige wenige zu nennen.


Hans Schuster malte seine Bilder nie in der freien Natur. Vielmehr prägte er sich die Motive seiner Landschaftsgemälde ein und malte sie dann aus der Phantasie heraus. Meistens kniete er dabei auf der Erde im Wohnzimmer, die Hartfaserplatte oder die Leinwand vor sich, mit dem Daumen, dem Pinsel oder dem Palettmesser die Farbe auftragend. Hans Schuster malte auf Bildträgern, die ihm geeignet erschienen. Zahlreiche Bilder entstanden deshalb auf Packpapier, Raufasertapete, grundiertem Putzlappen, Hartfaserplatten oder Leinwand.


Die schrecklichen Kriegserlebnisse rissen Hans Schuster häufig nachts aus dem Schlaf. Er stand dann spontan auf und begann zu malen. Seinen bedrückenden persönlichen Erlebnissen gab er ein Gesicht, indem er Karikaturen von Personen malte, farblich überzeichnet, schwermütig, bedrohlich. Fast alle diese Arbeiten befinden sich in privater Hand.


Hervorragend sind einige seiner Blumenstillleben, die er schuf. Der Stadt - und Kulturausschuss der Stadt Oldenburg kaufte 1963 zum Beispiel von ihm das Ölgemälde „Anemonen“ für das Trauzimmer des Standesamtes.


Die letzte Ausstellung Hans Schusters führte ihn nach Bad Zwischenahn, wo er im Juli 1966 gemeinsam mit Karl Nagel und Ewald Westholm in der Wandelhalle seine Arbeiten einem größeren Publikum präsentierte.


Im Rahmen der Ausstellungseröffnung erklärte er unter anderem zur Bedeutung seiner Arbeiten:

„Ich sehe die Natur und Menschen nicht so wie sie scheinen, sondern wie sie sind.

Es ist der Versuch durch Dinge hindurch bis zu ihrem Grund vorzudringen“.


Der Maler Johann Schuster starb im selben Jahr am 23. November 1966 in Oldenburg.
Hans Schuster wurde auf dem Städtischen Friedhof in der Sandkruger Straße beerdigt.
Die Grabstätte wurde mittlerweile eingeebnet.



Jürgen Derschewsky



Professor Fritz Steinhauer
Varel i./O.
Juli 1946

Vor längerer Zeit hatte ich die Gelegenheit, in einigen Oldenburger Familien Ölbilder zu sehen, die eine eigenwillige Hand verrieten. Ich nahm die Gelegenheit, den Maler dieser Bilder, Hans Schuster, in seinem Heim aufzusuchen und wurde angenehm überrascht, daß der gute Eindruck, den ich von seinen Arbeiten schon gewonnen hatte, sich im Studio des Künstlers noch verstärkte. Herr Schuster ist kein Mode-Maler, der nur malt, was augenblicklich für modern gehalten wird, er malt nach seiner Façon und so soll es bleiben. Die Maler, die heute vor einem „Ismus“ auf den Knien liegen, huldigen, wenn es not tut, sofort einem anderem „Ismus“ mit dem Gedanken, bloß nicht oben anstoßen. Ich habe in meiner beinahe 25-jährigen Tätigkeit als Lehrer an der Berliner Hochschule für Kunsterziehung so viele Richtungen von Einzelnen verzapfen sehen, daß einem oft sehr schwül wurde. Der wirkliche Künstler schafft sich seine Richtung selber und das tut auch der Maler Schuster.

Fritz Steinhauer